Aus der Geschichte unserer Feuerwehr

Liest man in den alten Büchern und Aufzeichnungen unserer Feuerwehr nach, so erfährt man, dass am 9. November 1896 die Bewohner des Marktes Peggau durch das Bürgermeisteramt wegen der Gründung einer Feuerwehr für den 15. November 1896 in das Haus des Bürgermeisters Johann Greimel eingeladen wurden. Bei dieser Besprechung wurde beschlossen, Mitglieder zu werben, Statuten auszuarbeiten und der K. u. K. Statthalterei zur Genehmigung vorzulegen.

Die vom Landesfeuerwehrverband verfassten Statuten wurden am 10. November 1897 vom Gemeindeausschuss genehmigt und unterfertigt. Damit stand einem Beitritt zur Feuerwehr nichts mehr im Wege. Es meldeten sich in der Folge 43 Mann als aktive Mitglieder.

Zum ersten Feuerwehrhauptmann wurde der Realitätenbesitzer Josef Dirnbacher und zu seinem Stellvertreter der Schmiedemeister Michael Peternell gewählt.


Wenn man in der Chronik blättert, gibt sie Zeugnis von schweren Unglücksfällen, Explosionen, Brandkatastrophen und Hochwasser, bei denen die Feuerwehr den bedrängten Mitbürgern nach besten Kräften Hilfe und Schutz gewährte. Immer war die Feuerwehr aber auch auf die Hilfe und Unterstützung der Gemeinde und großzügiger Gönner und Förderer angewiesen. Anlässlich der Gründung der Feuerwehr spendete 1898 der Chef der Bosnischen Länderbank in Wien, Herr Johann B. Schmarda, einen Beitrag von 50 Gulden, und in der Folge gab es weitere großzügige Spender.

Am 28. Mai 1902 spendete z.B. die Fa. Reininghaus ein Trinkhorn, welches sich noch heute im Besitz der Wehr befindet und im Feuerwehrhaus zu besichtigen ist.

1899 wurde die erste Spritze (Landfahrspritze) um den Preis von 1230 Gulden angekauft, wozu das Land 615, die Gemeinde 500 und die Feuerwehr 115 Gulden beigetragen haben.

1900 wurde der Schlauchturm am Spritzenhaus von der Gemeinde errichtet und ein Mannschaftswagen angeschafft. Weiters wurde die Bildung einer Rettungsabteilung beschlossen und in der Folge eine Feuerwehrmusik gegründet.

1907 wurde in Hinterberg bei der Liegenschaft Mirschbauer (Dobida) ein Spritzenhaus errichtet und eine Spritze überstellt.

Die Chronik berichtet weiters über ein Autounglück am 9. November 1924 unter der Ertl-Säge (heute südlich Gasthof Hochhuber) mit 3 Toten und vielen Verletzten.

1924 fanden auch erste Besprechungen bezüglich der Anschaffung einer Motorspritze statt, wofür ein Ausschuss gebildet wurde.


Nach den Wirren des Zweiten Weltkrieges war es wieder die Gemeinde, die unter Bürgermeister Hermann Ploder am 29. Dezember 1945 zu einer Versammlung zum Zwecke des Wiederaufbaues der Freiwilligen Feuerwehr Peggau eingeladen hatte. Bei dieser Versammlung wurde Tischlermeister Alois Schindler mit großer Mehrheit zum Feuerwehrhauptmann gewählt.

Am 20. August 1950 wurde das 50-jährige Bestandsjubiläum, verbunden mit der Weihe eines Mannschaftswagens, gefeiert.

Zu Beginn der sechziger Jahre gab es Führungskrisen, die unter Hauptmann Karl Kleinschek Anfang des Jahres 1962 praktisch zur Auflösung der Feuerwehr führten.

Am 23. Februar 1962 fand die für die weitere Aufwärtsentwicklung der Wehr wohl entscheidendste außerordentliche Jahreshauptversammlung statt, bei der, nachdem 20 Mann der Feuerwehr beigetreten sind, Franz Tieber zum Hauptmann und Rudolf Rieger sen. zum Stellvertreter gewählt wurden.

Unter Feuerwehrhauptmann Franz Tieber, der 1966 zum Bürgermeister gewählt wurde, konnte ein neues Feuerwehrhaus errichtet werden, welches am 15. Juli 1967 feierlich eingeweiht wurde. In der Ära des Feuerwehrkommandanten Bürgermeister Franz Tieber nahm unsere Wehr einen Aufschwung, wie er in der über 100-jährigen Geschichte wohl einmalig ist. Franz Tieber war ein großer Gönner und Förderer unserer Wehr.


Einen der wohl gefährlichsten und spektakulärsten Einsätze hatte unsere Wehr am 13. März 1967 bei der Explosion der Abfüllhalle des AGA-Gaswerkes zu leisten. Damals sind insgesamt 267 Gasflaschen explodiert, fünf von ihnen haben sogar das Gelände der AGA verlassen. Die Weiteste ist auf Höhe des jetzigen Geschäftes Bodlos gelandet (das sind ca. 150 Meter Luftlinie). Wegen des Ausmaßes der Katastrophe wurde neben den Feuerwehren des Abschnittes auch die Grazer Berufsfeuerwehr angefordert. Landeshauptmann Josef Krainer sen. und Bezirkshauptmann Dr. Alexander Mayer überzeugten sich persönlich vom Ausmaß der Katastrophe.

1967 nahm erstmalig eine Wettkampfgruppe unserer Wehr am Landesfeuerwehrleistungsbewerb in Mureck teil und konnte unter ihrem Kommandanten Löschmeister Anton Pechtl den 15. Platz erreichen. Die Wettkampfgruppe war in den folgenden Jahren sehr aktiv und errang 1969 beim Bezirksleistungsbewerb in Werndorf in der Klasse Bronze A den ersten Platz (Bezirkssieger). In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass Kamerad Anton Pechtl sich als Kommandant der Wettkampfgruppe und später als Brandmeister um unsere Wehr besondere Verdienste erworben hat.

1973 verlor unsere Wehr durch den tragischen Tod des Oberbrandmeisters Rudolf Rieger jun. eine hoffnungsvolle Führungspersönlichkeit.

Im Jänner 1974 wurden erstmals Jugendfeuerwehrmänner aufgenommen und damit die Jugendfeuerwehr gegründet, die von Löschmeister Siegfried Baumgartner hervorragend geleitet und ausgebildet wurde.

Im Jahre 1980 wurde im Rahmen des Bezirksfeuerwehrtages das neue Rüstlöschfahrzeug (RLF 2000) feierlich in Betrieb genommen. Am 15. Jänner 1982 fand aus Anlass des 85-jährigen Bestehens in Anwesenheit des Landesbranddirektors Karl Strablegg die Wehrversammlung im Festsaal Hochhuber statt.

Die Leistungen der Feuerwehr Peggau wurden am 26. Juni 1982 durch die Ernennung von Herrn Oberbrandmeister Hubert Wiesenhofer zum Abschnittskommandanten gekrönt.

Am 10. Mai 1985 legte Bürgermeister Franz Tieber nach 23 Jahren äußerst erfolgreicher Tätigkeit seine Funktion als Feuerwehrkommandant zurück. In der außerordentlichen Wehrversammlung wurde OBI Werner Rois zum Kommandanten und ABI Hubert Wiesenhofer zu seinem Stellvertreter gewählt.

In den Jahren 1986 und 1987 wurde das Feuerwehrhaus umgebaut und erweitert. Das Haus wurde aus Anlass des 90-Jahr-Jubiläums am 18. Juli 1987 im Rahmen des Abschnittsfeuerwehrtages feierlich seiner Bestimmung übergeben.

Schwere und unersetzliche Verluste erlitt unsere Wehr in den Jahren 1989 und 1990 durch das Ableben ihrer verdienstvollen Kameraden EOBI Rudolf Rieger sen., Feuerwehrkommandant-Stv. ABI Hubert Wiesenhofer und Bürgermeister EHBI Franz Tieber.

Am 8. Juni 1997 feitert die Feuerwehr das 100-jährigen Bestandsjubiläum mit einem Bezirksfeuerwehrtag. Zu diesem Anlass schaffte sich die Feuerwehr eine Traditionsfahne an, die von der Fahnenmutter Grete Tieber und zahlreichen Fahnenpatinnen gesponsert wurde.

Den wohl spektakulärsten Einsatz der jüngeren Geschichte hatte die Feuerwehr Peggau am 27. Juli 1999 zu absolvieren, als das Altkunststofflager der Firma Zuser Feuer fing. Feuerwehrkräfte aus dem ganzen Bezirk kämpften im Schichtbetrieb drei Tage gegen die Flammen, ehe der Brand unter Kontrolle war. Nach dem Abschluss der Löscharbeiten dauerte es fünf Tage, bis das Löschwasser vom Firmengelände vollständig abgepumpt war.


Bei der Wehrversammlung am 1. April 2005 stellt sich HBI Werner Rois nach nunmehr 20-jähriger Tätigkeit nicht mehr zur Wahl des Kommandanten. Als sein Nachfolger wird der bisherige Oberbrandinspektor, Franz Kaiser, und als sein Stellvertreter wird Brandmeister Hubert Wieser gewählt.


Am 22. Juli 2006 wird ein neues Rüstlöschfahrzeug offiziell in Dienst gestellt. Dieses Fahrzeug ersetzt seinen nunmer 25 Jahre alten Vorgänger und wird unserer Wehr wohl ebensolange gute Dienste leisten.


In der Geschichte unserer Wehr ist besonders Feuerwehrkamerad Johann Kainz hervorzuheben, der im Jahr 2002 verstarb: Seit 1972 betreute er als Gerätemeister das Feuerwehrhaus und das gesamte Inventar in einer Weise, als wäre es sein persönliches Eigentum.

Für seine besonderen Verdienste wurde er 1983 zum Ehrenbrandmeister ernannt und ihm 1996 aus Anlass seines 80. Geburtstages der Ehrenring der Marktgemeinde Peggau verliehen.





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